Gästekarten in der Schweiz: der kostenlose ÖV für eure Gäste
Von Rafael, am
Was ist eine Gästekarte?
Eine Karte, die der Gastgeber jedem Gast abgibt, der in der Region übernachtet. Laut Schweiz Tourismus bieten die meisten Schweizer Destinationen ab einer Übernachtung eine an, und fast alle schliessen freie Fahrt im ÖV ein, dazu Rabatte auf Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten.
Meistens kann man sie nicht kaufen: Man bekommt sie, weil man vor Ort übernachtet. In Basel zum Beispiel ist die BaselCard nicht mehr im Verkauf, sie ist Übernachtungsgästen im Kanton Basel-Stadt vorbehalten.
Gratis für den Gast, finanziert über die Kurtaxe
Der Gast zahlt nichts zusätzlich: Die Karte wird über die Kurtaxe finanziert, die er ohnehin bezahlt. Basel sagt es deutlich, jeder Übernachtungsgast im Kanton erhält eine BaselCard als Gegenleistung für die City Tax. Wer im Kanton wohnt, zahlt diese Abgabe nicht und hat deshalb keinen Anspruch.
Ein Vorteil, den viele zu spät entdecken
Ein Gast, der die Karte nicht kennt, kauft sein Billett am Bahnhof, bezahlt den Bus bis zu euch und erfährt es manchmal erst bei der Abreise. Für ihn ist das verlorenes Geld, für euch eine verpasste Gelegenheit zu zeigen, dass ihr an solche Details denkt.
Welche Regionen schenken euren Gästen den ÖV?
Die grossen Städte ausser Zürich und die meisten Tourismusregionen. Die Tabelle zeigt die wichtigsten Karten, gemäss den Websites der Tourismusbüros im Oktober 2026. Die Bedingungen ändern sich: Fragt immer bei eurem Tourismusbüro nach, bevor ihr euren Gästen etwas versprecht.
| Region | Karte | Was sie bietet | Wer Anspruch hat |
|---|---|---|---|
| Basel-Stadt | BaselCard | ÖV in Basel und Umgebung, 25 % auf Museen, Zoo und Theater, bis 30 Tage | Alle Übernachtungsgäste im Kanton, auch in Airbnb-Unterkünften |
| Bern (Stadt) | Bern-Ticket | Busse, Trams und Züge in den Libero-Zonen 100 und 101, Gurten- und Marzilibahn, bis 30 Tage | Gäste ab 6 Jahren; Gastgeber in der Stadt müssen es abgeben |
| Genf | Geneva Transport Card | ÖV im Unireso-Netz (Busse, Züge, Mouettes) für den ganzen Aufenthalt | Gäste von Unterkünften, die bei Genève Tourisme registriert sind |
| Lausanne | Lausanne Transport Card | Mobilis-Zonen 11, 12 und 15 bis 19, mindestens 20 % auf ausgewählte Museen und Führungen, bis 15 Tage | Hotels, Serviced Apartments, Jugendherbergen und Campings; Privatunterkünfte ausgeschlossen |
| Montreux Riviera | Montreux Riviera Card | ÖV in der Region und Rabatte auf Ausflüge, für den ganzen Aufenthalt | Hotels, Ferienunterkünfte, B&Bs und Campings |
| Kanton Neuenburg | Neuchâtel Tourist Card | ÖV im ganzen Kanton und rund vierzig Aktivitäten, für den ganzen Aufenthalt | Hotels, Campings, B&Bs, Ferienwohnungen und Ferienhäuser |
| Luzern | Gästekarte Luzern | Busse und Züge in der Zone 10, ohne Schiff, dazu Rabatte in der Region, bis 14 Tage | Gäste, die in der Stadt Luzern oder in Kriens übernachten |
| Tessin | Ticino Ticket | ÖV im ganzen Kanton und Rabatte auf Bergbahnen, Schiffe und Attraktionen | Gäste von Partnerbetrieben: Hotels, Jugendherbergen, Campings |
| Zürich | Keine Gratis-Karte | Die Zürich Card gibt es, aber sie ist kostenpflichtig | Gäste kaufen sie selbst |
Anderswo gibt es viele regionale Karten. Die Interlaken Guest Card, der Jura Pass, die carte Explore in der Region Nyon, die Gästekarte Chur und die Gästekarte Engadin Scuol Zernez schliessen ab der ersten Nacht ebenfalls den ÖV ein. In Arosa deckt die Gästekarte sogar die Bergbahnen ab.
Manche Karten gelten nur im Sommer, etwa die Gstaad Card oder die Carte Bienvenue in Villars. Andere verlangen einen längeren Aufenthalt: Die Appenzeller Ferienkarte gibt es ab drei Nächten.
Hat eure Unterkunft Anspruch auf die Gästekarte?
Nicht unbedingt: Es hängt von der Region und der Art der Unterkunft ab. Das ist die erste Frage, die ihr klären solltet, bevor ihr euren Gästen etwas versprecht.
- Ja, unabhängig von der Unterkunft: In Basel gilt die BaselCard auch für Airbnb-Gäste. In Bern müssen alle Gastgeber in der Stadt das Bern-Ticket abgeben. Im Kanton Neuenburg sind Ferienwohnungen und Ferienhäuser eingeschlossen.
- Ja, nach Registrierung: In Genf müssen sich Gastgeber bei Genève Tourisme registrieren, um die digitale Karte ausstellen zu können.
- Nein für Privatunterkünfte: In Lausanne geben Wohnungen und Zimmer von Privatpersonen keinen Anspruch auf die Lausanne Transport Card, anders als Hotels und Serviced Apartments.
- Je nach Partnerschaft: Im Tessin geben Partnerbetriebe das Ticino Ticket ab, vor allem Hotels, Jugendherbergen und Campings. Für eine Ferienwohnung fragt ihr bei eurer regionalen Tourismusorganisation nach.
Wen ihr fragen solltet
Euer lokales oder regionales Tourismusbüro: Es verwaltet die Karte und oft auch die Kurtaxe. Fragt nach drei Dingen: ob eure Unterkunft Anspruch hat, wie ihr euch registriert und wie die Karte zum Gast kommt.
Was hat die Gästekarte mit der Kurtaxe zu tun?
Sehr viel: Die Kurtaxe finanziert die Karte, und der Gast erhält sie, weil er die Taxe bezahlt. In Genf zahlen die Gäste die Taxe und erhalten im Gegenzug die digitale Transportkarte.
Das hat eine Folge für euch: Die Karte ist kein Extra, das ihr streichen könnt, um den Preis zu senken. In Bern ist es ausdrücklich nicht erlaubt, auf das Bern-Ticket gegen eine reduzierte Abgabe zu verzichten.
Wenn Airbnb die Taxe einzieht
In mehreren Kantonen und Gemeinden zieht Airbnb die Kurtaxe für euch ein und überweist sie direkt. Die Frage der Karte ist damit nicht erledigt: In Genf zieht Airbnb die Taxe ein, die Transportkarte muss aber weiterhin der Gastgeber abgeben. Klärt mit eurem Tourismusbüro, was bei euch bleibt.
Wie gebt ihr die Karte an eure Gäste ab?
Jede Region hat ihr eigenes System, aber die meisten laufen heute digital: ein Link, ein Code oder eine Web-App statt einer Karte aus Karton.
- Basel: Die BaselCard wird beim Check-in abgegeben und lässt sich als Web-App aufs Handy laden. Die Buchungsbestätigung gilt als Billett vom Bahnhof oder vom Flughafen zur Unterkunft.
- Bern: Ihr gebt einen Aktivierungscode weiter, und der Gast aktiviert sein Bern-Ticket auf der Website von Bern Welcome, ohne Konto. Am Anreisetag gilt die Buchungsbestätigung als Billett bis zur Unterkunft.
- Genf: Drei Tage vor der Ankunft erhält der Gast eine E-Mail mit einem Link, um die Karte aufs Handy zu laden.
- Neuenburg: Einige Tage vor der Ankunft erhält der Gast eine E-Mail, um seine Angaben zu ergänzen, und findet die Karte danach auf dem Handy oder als PDF zum Ausdrucken.
Die Karte ist in der Regel persönlich: Bei einer Kontrolle zeigt der Gast sie zusammen mit einem Ausweis. Kinder unter 6 Jahren fahren im Schweizer ÖV ohnehin gratis.
Vor der Ankunft informieren
Der richtige Moment ist die Nachricht vor der Ankunft, nicht der Anreisetag selbst: Der Gast muss es wissen, bevor er am Bahnhof ein Billett kauft. Ein oder zwei Sätze reichen.
Wie verändert die Karte eure Empfehlungen?
Sie vergrössert den Radius. Ein Gast, der gratis Bus fährt, geht weiter als einer, der zögert, ein Billett zu kaufen: eine Gelegenheit, Orte ein paar Haltestellen entfernt zu empfehlen, nicht nur zu Fuss erreichbare.
- Schreibt in die Beschreibung eines Ortes, wie man hinkommt: «mit dem Tram bis zur Endstation, dann mit der Standseilbahn, alles mit eurer Karte inklusive».
- Nennt die Rabatte, die sich lohnen: in Basel 25 % auf Museen, Zoo und Theater; in Neuenburg rund vierzig inklusive Aktivitäten.
- Warnt, wenn ein Ort ausserhalb der Zone liegt: In Basel gilt die Karte weder bis zum Vitra Design Museum noch nach Frankreich.
- Erinnert daran, wie man die Karte aktiviert, am selben Ort wie eure Empfehlungen, damit der Gast es vor Ort wiederfindet.
In HerePicks zeigt jeder Ort die Reisezeit ab eurer Unterkunft und die Route mit einem Tipp: Der Gast sieht sofort, dass eine Adresse zehn Minuten mit dem Bus entfernt ist. Das Tourismusbüro passt in die Kategorie Praktisches, mit einem Satz zur Gästekarte und wie man sie aktiviert.
Für die Wahl der Adressen selbst lest unseren Leitfaden zu guten Adressen für Gäste, und für die übrigen nützlichen Informationen den zur digitalen Gästemappe. Wenn ihr in der Schweiz Gäste empfangt, erklärt die Seite zur digitalen Gästemappe aus der Schweiz, wie der Guide mit den vier Sprachen eurer Gäste umgeht.
Und wenn eure Region keine Gästekarte hat?
Gebt euren Gästen mit, wie sie möglichst wenig bezahlen. In Zürich zum Beispiel ist die Zürich Card kostenpflichtig: Empfehlt sie vor allem Gästen, die am selben Tag viele Fahrten und Museen planen.
- Die SBB-App, um Billette auf dem Handy zu kaufen, ohne am Schalter anzustehen.
- Tageskarten für die lokale Zone, oft schon nach wenigen Fahrten günstiger.
- Den Swiss Travel Pass, für ausländische Gäste, die mehrere Regionen besuchen.
- Die Gratisfahrt für Kinder unter 6 Jahren, die viele Familien nicht kennen.
Für alles andere, was ausländische Gäste bei der Ankunft wissen sollten, von sonntags geschlossenen Läden bis zu den Notrufnummern, lest die praktischen Infos für eure Gäste in der Schweiz.
Häufige Fragen
Haben Airbnb-Gäste Anspruch auf eine Gästekarte?
Oft, aber nicht überall. In Basel ja; in Lausanne sind Privatunterkünfte ausgeschlossen. Euer Tourismusbüro sagt euch, was für eure Unterkunft gilt.
Kostet die Gästekarte den Gast etwas?
Nein: Sie wird über die Kurtaxe finanziert, die er ohnehin bezahlt. Einige Karten sind allerdings kostenpflichtig, etwa die Zürich Card.
Ab wie vielen Nächten erhält der Gast die Karte?
In den meisten Regionen ab der ersten Nacht. Manche Karten verlangen mehr, etwa die Appenzeller Ferienkarte ab drei Nächten.
Brauchen Kinder eine Karte?
Kinder unter 6 Jahren fahren im Schweizer ÖV gratis. In Bern erhält jeder Gast ab 6 Jahren ein Bern-Ticket.
Sollte man die Karte im Inserat erwähnen?
Ja, wenn eure Unterkunft Anspruch hat: Es ist ein konkreter Vorteil, und viele Inserate in Basel oder Bern heben ihn schon hervor. Prüft vorher, ob ihr die Karte wirklich abgeben könnt.
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